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Der Alte
Eine Gruppe junger Leute saß um ihn herum, und er
erzählte, manchmal ein bisschen wie Sindbad über seine Reisen, natürlich
nicht ganz so fantastisch. Merkten seine Zuhörer, wenn er übertrieb oder gar
untertrieb? Vor allem die ersten 10 Jahre, also von 18 bis 28 waren für sie
interessant. Teilweise hörte es sich an, wie ein Actionfilm.
Aber die Ratschläge, die er zu geben wusste, stammten
nicht aus dieser Zeit. Diese abenteuerlichen Jahre bildeten nur die Grundlage
für das, was später die Folgerungen werden sollten. Das Geschehene war meist
sehr einfach und hatte zu jenem Zeitpunkt nur die Wirkung eines Schocks auf
ihn, die wirkliche Erkenntnis stellte sich viel später ein.
Wie oft hatte er zum Beispiel eine Schelle bekommen, bei
der er bloß erkannte, dass eine bestimmte Art von Personen oder Situationen
unangenehme Auswirkung auf Körper und Geist haben können. Warum er aber diese
Behandlung bekommen hatte, leuchtete ihm oft erst viel später ein. Zum einen,
weil es in seinen Augen bis zum heutigen Tag ungerechtfertigt war, zum
anderen, weil es häufig nur dazu diente, das Minderwertigkeitsgefühl des
Schlagenden durch die Erniedrigung des Geschlagenen zu unterdrücken.
Heute standen ihm genau so große, dicke, verweichlichte
Leute gegenüber, aber jetzt hatten sie Angst vor ihm. Sie erkannten nur, dass
er ihnen gefährlich werden konnte, aber warum er sie bekämpfte, verstanden
sie nicht. Sie befanden sich noch immer auf der Stufe eines Jugendlichen.
Aber hatte er selbst es wirklich gelernt? Er versuchte,
gerecht zu sein, aber konnte seine Wut nicht immer genügend zähmen. Oft ging
es ihm im Kopf herum, warum etwas passierte, und bei späteren, ähnlichen
Situationen war er dann fähig, entsprechend zu reagieren. Aber bei
Unerwarteten löste es in ihm doch noch oft eine Überreaktion aus.
Vor allem die Kleinsten, die ihn umgaben, sahen in ihm
einen Helden und ahnten nicht, wie viele Zweifel und Unsicherheit sich hinter
dieser Ruhe verbarg. Auf der anderen Seite genoss er es natürlich, anerkannt
zu werden, dass man ihm vertraute. Absichtlich hatte er sich auf die Seite
der Kleinen gestellt (Willst du groß sein, so stelle dich neben die
Kleinen.), die sich natürlich alle versteckten, wenn es brenzlig wurde und
erst wieder zum Vorschein kamen, wenn die Luft rein war.
Die größten Zweifel kamen ihm bei der Frage, die er nur
sich selbst stellte, mit welchem Recht er das eigentlich machte. Es gelang
selbstverständlich nur selten, diese fast philosophische Frage befriedigend
zu beantworten. Oder warum hielten diese Kleinen nicht alle zusammen? Dann
würden sie keines Großen bedürfen, keinen Führer brauchen.
Es fehlte ihnen an Selbstwertgefühl. Beide, sowohl der
Schinder, als auch die Unterdrückten kamen eigentlich aus dem gleichen
Schlag. Wären sie die Großen, würden sie wahrscheinlich genauso gnadenlos
handeln, wie ihre Unterdrücker. Sie waren um keinen Schimmer besser, als die
anderen.
War dann alles umsonst, alles für die Katz? Was trieb
ihn, weiterzumachen? Und was galt dann die Anerkennung solcher Leute?
Wenn du in einem Paradies leben möchtest, musst du es dir
selbst schaffen.
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Der Alte
Sunday, 8 November 2015
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